Claudio Marco

Musikalische Kurzbiographie

Nach dem obligaten Blockflötenunterricht ging es darum, ein richtiges Instrument zu spielen. Bei uns zu Hause stand ein Klavier; also Klavier. Nach zwei Jahren Fingerübungen konnte ich immer noch kein Stück spielen, also liess ich es wieder sein. Was nun? Bei einer Aufführung des Schulorchesters gefielen mir die Geigen besonders, denn sie glänzten so schön; also Geige. Nach zwei Jahren…, also liess ich es wieder sein. Obwohl ich zu dieser Zeit schon auf der spanischen Gitarre meines Vater herumklimperte, kam ich damals irgendwie nicht auf die Idee, dass ich Gitarrenunterricht nehmen könnte. Eines Tages brachte mein Vater einen Kassettenspieler von einer Tombola. (Für die Jüngeren: das ist ein Player für ein ausgestorbenes Medium auf Magnetbandbasis). Meine Mutter nahm Songs aus dem Radio auf und bald hatten wir „die grüne Kassette“, unsere Hitparade. Da war „Jet“ von den Wings drauf und ich war fasziniert. Eines Tages kam mein älterer Bruder Alejandro mit „der gelben Kassette“ daher. Die Band gefiel ihm nicht und so nahm ich das Teil an mich; die Beatles. Obwohl ich dafür eigentlich etwas zu spät geboren bin, wir waren inzwischen schon schwer in den 70-ern, ging jetzt meine privatpersönliche Beatlemania ab. Achtung, fertig, los: Pilzkopf, Songbook mit Grifftabelle und Band. Wir machten den zweiten Platz an einem Jugendmusikwettbewerb. (Eigentlich war es der dritte Platz, aber es gab keinen ersten, was ich bis heute nicht verstehe). Eines Tages legte jemand die Gitarre zu oberst in den gut gefüllten Kofferraum eines Autos und knallte die Haube zu; keine gute Idee. Alles Schlechte hat sein Gutes, denn meine Mutter gab mir Geld für eine neue Gitarre. Im Schaufenster des Musikladens stand eine dunkelrote Les Paul-Kopie. Es war mir schon klar, dass meine Mutter von einer spanischen Gitarre ausgegangen war, aber gesagt hatte sie das ja nicht und dass die zerstörte Gitarre eigentlich die meines Vaters war, na ja. Nun hatte ich also eine elektrische Gitarre, aber keinen Verstärker. Doch wir hatten eine Radio und Plattenspielertruhe. (Für die Jüngeren: vergesst es; einfach ein Teil mit einem Verstärker und einem Lautsprecher). Ruckzug den Plattenspieler-Ausgang abgeknipst, eine Jack-Buchse drangelötet, die Gitarre eingesteckt und yeah, yeah, yeah. Später gab’s dann einen 50 Watt Combo-Verstärker, verschiedene Bandbesetzungen und jede Menge kreative Leerläufe. In einem solchen kreativen Down kam Michi, der andere Gitarrist der seinerzeitigen Besetzung, mit einem Inserat: In Basel wird eine Jazzschule eröffnet. Dort habe ich dann, alles in allem waren es wohl sieben Semester, Rhythmik, Gehörbildung, Musiktheorie und Gitarrenunterricht genossen und die ganze Geschichte bekam eine neue Dimension. Schlussendlich habe ich mich dann aber doch dazu entschlossen, kein Musiklehrer zu werden und das Thema Musik trat mehr und mehr in den Hintergrund und plätscherte während den nächsten ca. 10 Jahren so vor sich hin. Eines traurigen Tages war ich vollends frustriert: Von nun an wollte ich Modellflieger basteln und fliegen. Ich habe keine Ahnung, wie es genau geschehen ist, dass ich, doch keine Modellflieger, sondern eine Audio Homerecording-Anlage gekauft habe. Diese ist zu einem Projektstudio geworden, mit dem das Album „Stainless Steel Oscillating“ auf die Beine gestellt wurde. Inzwischen habe ich eine dunkelrote Les Paul von Gibson; die Echte.